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Ist die Antibabypille ein Nährstoffräuber?

Das Zweikomponentenpräparat der Antibabypille enthält künstliche Formen der Geschlechtshormone Estrogen und Gestagen. Es spielt dem Körper vor, schwanger zu sein, indem es einige Prozesse des Körpers verändert. Dabei verändert sich auch der Bedarf der Frau an Nährstoffen. Genauer gesagt, entsteht durch die Einnahme der Antibabypille ein erhöhter Verbrauch an einigen Vitaminen und Mineralstoffen. Konkret handelt es sich dabei um die Vitamine B2, B6, B9 (Folsäure), B12, sowie Vitamin C und E. Zusätzlich sind die Mineralstoffe Zink, Selen und Magnesium betroffen.1–11

Die Forschenden, die sich mit diesem Thema befassen, haben noch nicht genau aufgeklärt, was genau die Ursachen für den vermehrten Verbrauch dieser Nährstoffe ist. Sie haben aber Ideen. Beispielsweise könnte der Verbrauch, die Einlagerung in die Zellen oder die Ausscheidung der Nährstoffe erhöht sein. Einig sind sich Fachleute darin, dass sich der Mehrverbrauch im Körper umso deutlicher bemerkbar macht, je länger die Pille eingenommen wird.4–11

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Ein dauerhaft erhöhter Nährstoffverbrauch muss über die Ernährung ausgeglichen werden. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Wird der Nährstoffbedarf über lange Zeit nicht gedeckt, entsteht ein Defizit in der Versorgung und im ungünstigsten Fall ein Mangel.

Insbesondere junge Frauen sind ohnehin eine Risikogruppe für Nährstoffmängel. Ihr Energiebedarf und der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen ist durch das Wachstum erhöht.12 Gleichzeitig befinden sie sich in einer Lebensphase, die sehr energiezehrend ist. Es ist die Zeit der Ausbildung mit Prüfungsstress, aber auch die Zeit des Entdeckens, die Zeit, in der viele intensiv Sport betreiben, die Zeit, in der die Hormone die Gefühle Achterbahn fahren lassen. Klar, dass da mehr Energie gebraucht wird. Bei Energie denkt man zunächst meist an die großen Nährstoffe, die Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette. Sie sind die großen Zahnräder in unserer Energiefabrik. Aber die kleinen Zahnräder sind gleichermaßen wichtig und bei erhöhtem Energiebedarf, werden sie genau so vermehrt gebraucht. Die kleinen Zahnräder sind die Vitamine und Mineralstoffe.

Kommt der Mehrbedarf, den die Pille verursacht mit dem ohnehin bestehenden Nährstoffmehrbedarf der jungen Frau zusammen, können sich Mängel einschleichen. Dies geschieht schleichend und macht sich zunächst kaum bemerkbar. Typisch ist eine allgemeine Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Grundsätzlich kann es dafür viele Gründe geben, weshalb ein Nährstoffdefizit als Grund erst einmal identifiziert werden muss. Zusätzlich ist es nicht so einfach, so einen leichten, Fachleute sagen latenten Mangel, im Blutbild zu identifizieren. Ob und wie stark Frauen betroffen sind, hängt von vielen individuellen Faktoren, vor allem der Ernährung ab.5 Und je länger die Einnahmedauer der Pille ist, desto mehr macht sich der Einfluss auf den Nährstoffhaushalt bemerkbar.

Nährstoffräuber Pille Beitragsbild 2 | MensSana Themenwelt
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Gleichwenn der Trend zur Einnahme der Antibabypille zurückgeht, verwenden immer noch etwa 50 % der Frauen dieses Verhütungsmittel.13 Deshalb ist es wichtig, dass über dieses Thema aufgeklärt wird. Sowohl bei Frauen, als auch bei Eltern. Bereits eine leichte Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen kann dazu führen, dass Frauen nicht ihre vollständige Leistungsfähigkeit erreichen. Das ist besonders schade in einer Lebensphase, in der sie ihr Potential entdecken und entwickeln können.

Insbesondere, wenn nicht alle Lebensmittelgruppen ausreichend und regelmäßig verzehrt werden, zum Beispiel bei einer vegetarischen Ernährung, sollten Frauen, die die Pille nehmen, ihre Versorgung mit den kleinen Nährstoffen über ein gutes Multivitamin-Mineralstoffpräparat sicherstellen. Dieses muss die tägliche Versorgung dem B-Vitaminkomplex, sowie Vitamin C, E, Zink, Selen und Magnesium liefern. Um zu überprüfen, ob du alle Lebensmittelgruppen über deine Ernährung ausreichend verzehrst, lohnt es sich, einen Blick auf die Ernährungspyramide zu werfen.14 Vergiss dabei nicht, dass der Fokus dabei auf vollwertigen Lebensmitteln wie Vollkorn und Hülsenfrüchten liegt. Die Antibabypille bietet vielen Frauen Unabhängigkeit und ein sicheres Verhütungsmittel, wenn sie richtig angewandt wird. Für welches Verhütungsmittel Frauen sich entscheiden, ist immer individuell. Für eine gute Entscheidung braucht es eine ganzheitliche Aufklärung über die Einflüsse auf den Körper. Mit ausreichendem Wissen über die Pille als Mikronährstoffräuber, können Frauen ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen. Mit einer gesicherten Nährstoffversorgung, können sie sich auf das konzentrieren, was ihnen wichtig ist.

Autorenschaft_Wissenschaftliche Abteilung MensSana, 30.07.2024

Quellen

Literatur

(1) Gröber, U. Arzneimittel und Mikronährstoffe, 2nd ed.; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft: Stuttgart, 2016.

(2) Orfanos-Boeckel, H. Nährstoff-Therapie. Orthomolekulare Medizin & Bioidentische Hormone: Mangel ausgleichen, Beschwerden lindern, Alterungsprozesse aufhalten, 1st ed.; TRIAS: Stuttgart, 2022.

(3) Labor Dr. Bayer Die Pille als Mineralstoff- und Vitaminräuber, 23.07.2024. https://www.labor-bayer.de/de/fachinformationen/fachartikel-des-monats/fachartikel-details/die-pille-als-mineralstoff-und-vitaminraeuber.html. Tuesday, July 23, 2024.

(4) Lussana, F.; Zighetti, M. L.; Bucciarelli, P.; Cugno, M.; Cattaneo, M. Blood levels of homocysteine, folate, vitamin B6 and B12 in women using oral contraceptives compared to non-users, Thrombosis research. 2003, 112, pp. 37–41.

(5) Fallah, S.; Sani, F. V.; Firoozrai, M. Effect of contraceptive pill on the selenium and zinc status of healthy subjects, Contraception. 2009, 80, pp. 40–43.

(6) McArthur, J. O.; Tang, H.; Petocz, P.; Samman, S. Biological variability and impact of oral contraceptives on vitamins B(6), B(12) and folate status in women of reproductive age, Nutrients. 2013, 5, pp. 3634–3645.

(7) Palmery, M.; Saraceno, A.; Vaiarelli, A.; Carlomagno, G. Oral contraceptives and changes in nutritional requirements, European review for medical and pharmacological sciences. 2013, 17, pp. 1804–1813.

(8) Dante, G.; Vaiarelli, A.; Facchinetti, F. Vitamin and mineral needs during the oral contraceptive therapy: a systematic review, Int J Reprod Contracept Obstet Gynecol. 2014, pp. 1–10.

(9) Mohammad-Alizadeh-Charandabi, S.; Mirghafourvand, M.; Froghy, L.; Javadzadeh, Y.; Razmaraii, N. The effect of multivitamin supplements on continuation rate and side effects of combined oral contraceptives: A randomised controlled trial, The European journal of contraception & reproductive health care : the official journal of the European Society of Contraception. 2015, 20, pp. 361–371.

(10) Shere, M.; Bapat, P.; Nickel, C.; Kapur, B.; Koren, G. Association Between Use of Oral Contraceptives and Folate Status: A Systematic Review and Meta-Analysis, Journal of obstetrics and gynaecology Canada : JOGC = Journal d’obstetrique et gynecologie du Canada : JOGC. 2015, 37, pp. 430–438.

(11) C Curtin, A.; Johnston, C. S. Vitamin B6 Supplementation Reduces Symptoms of Depression in College Women Taking Oral Contraceptives: A Randomized, Double-Blind Crossover Trial, Journal of dietary supplements. 2023, 20, pp. 550–562.

(12) Deutsche Gesellschaft für Ernährung Referenzwerte für den Energiebedarf, 24.07.2024. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/energie/. Wednesday, July 24, 2024.

(13) Krankenkasseninfo.de TK-Auswer­tung: Immer weniger Frauen nehmen die Anti­baby­pille, 30.07.2024. https://www.krankenkasseninfo.de/ratgeber/pressemitteilungen/61155/tk-auswertung-immer-weniger-frauen-nehmen-die-antibabypille.html. Tuesday, July 30, 2024.

(14) Bundeszentrum für Ernährung Die Ernährungspyramide, 30.07.2024. https://www.bzfe.de/ernaehrung/die-ernaehrungspyramide/die-ernaehrungspyramide-eine-fuer-alle/. Tuesday, July 30, 2024.

 

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